Vom 12. bis 24. Mai findet das internationale Klangfestival «Naturstimmen» in Alt St. Johann mit besonderen Gästen aus Indien statt.
Alt St. Johann (SG). Bereits zum vierten Mal treffen sich im Rahmen das internationalen Klangfestivals «Naturstimmen» Chöre und Solostimmen aus der ganzen Welt zu einer aussergewöhnlichen Klangerfahrung im Toggenburg. In diesem Jahr ist auch eine Gruppe aus Nagaland mit dabei.
Sie besiedeln die südöstlichsten Ausläufer des Himalaya-Gebirges im Grenzgebiet zwischen Nordostindien und Myanmar - die Naga. Früher am äussersten Rand des britischen Kolonialreiches als Kopfjäger gleichzeitig gefürchtet und für ihre materielle Kultur bewundert, war das Siedlungsgebiet der Naga seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wegen zahlreichen bewaffneten Konflikten Sperrzone. Erst seit 2001 sind Reisen in den indischen Bundesstaat Nagaland auch für Ausländer in eingeschränktem Masse wieder möglich. Die als «Kopfjäger» bekannt gewordenen Einwohner aus dem Nagaland bieten mit Workshops und Konzerten im Rahmen des diesjährigen Klangfestivals «Naturstimmen» spannende Einblicke in eine faszinierende Kultur.
Image der Kopfjäger
Der Sammelbegriff «Naga» bezeichnet über dreissig verschiedene Naga-Stämme, die in einem Gebiet, das etwa der Fläche der Schweiz entspricht, in grösseren Dörfern zusammen leben. Bekannt wurden die Naga vor allem durch das Sammeln von Totenköpfen. Die meisten Dörfer hatten früher sogar ein «Totenkopf-Haus» und von den jungen Männern wurde erwartet, dass sie zu dieser «Ausstellung» mit einem weiteren «Kopf» beitragen. Heute haben sich die bekannten «Kopfjäger» zur Ruhe gesetzt und die Naga leben vor allem von der Landwirtschaft. Die Faszination der «Kopfjäger» aus dem Nagaland ist aber bis heute geblieben.
Musik als Sprache
Da jeder Stamm auch heute noch seine eigene Sprache besitzt und die Naga bis zur Einführung des lateinischen Alphabets durch die christlichen Missionare eine schriftlose Kultur führten, spielte die konzentrierte Form des Liedes bei der Kommunikation eine wichtige Rolle. Immer und überall wurde gesungen, das Singen war geradezu Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation. Die zurückkehrenden Krieger verkündeten in einem dunkel klingenden, mehrstimmigen, wortlosen Lautgesang ihren Dorfgenossen den Sieg. Über die Jahrhunderte haben die verschiedenen Naga-Gruppierungen eine schier unüberschaubare, bisher kaum dokumentierte und unerforschte Vielfalt an musikalischen Ausdrucksformen entwickelt. Der Gruppengesang der Naga ist charakterisiert durch komplex-harmonische Klänge, denen mitunter wenig textlicher Gehalt zu Grunde liegt, und der vielmehr dem reinen Klangerlebnis als Reflektion der natürlichen Umgebung dient. Ein typisches Merkmal des Gesangs vieler Naga-Gruppen, das dem oben beschriebenen Klangerlebnis dient, sind die repetitiven «Ho-he-ho»-Chöre, die zwischen mehreren Gruppen entweder als Ergänzung oder als Echo aufgeteilt werden. Die Naga haben spezielle Atemtechniken entwickelt, in denen sowohl Ein- und Ausatmen zur Tongenerierung verwendet werden, um dem Ausdrucksprinzip des kontinuierlichen Klangs auch technisch nachzukommen. Weitere Merkmale der Melodien und Harmonik sind der Glottistop im Singen, eine Tonbildung vom Vibrato bis zu einem überstarken Tremolo, das Jodelformen annimmt.
Konzerte, Referate und Workshops
Neben den Gästen aus dem Himalaya-Gebirge stehen aber auch dieses Jahr noch viele weitere spannende Künstler auf den Bühnen des Klangfestivals. Mehr als vierhundert Künstler aus zehn verschiedenen Ländern sorgen mit erstklassigen Konzerten, interessanten Workshops und spannenden Referaten für einen exklusiven Kulturaustausch. Unter anderem sind in diesem Jahr die aus Korsika stammende Formation «A Cumpagnia», die «Teofilovic Twins» aus Serbien, «Maryam Akhondy» aus dem Iran sowie die «Thokozani Brothers» und «Ubuhle Be Afrika» aus Südafrika mit dabei. Zusammen mit bekannten Schweizer Künstler wie beispielsweise Nadja Räss und Peter Roth ergibt sich ein faszinierendes Klangerlebnis, dem man nur am Klangfestival «Naturstimmen» im Toggenburg beiwohnen kann.
Jodelsymposium als Premiere
Im Rahmen des Klangfestivals findet in diesem Jahr zum ersten Mal das «Jodelsymposium» statt. Auf dem Programm stehen neben dem grossen Konzert am Freitag, 21. Mai mehrere spannende Workshops und Referate am Samstag, 22. Mai. Im Konzert sind Jodelinterpreten aus verschiedenen Jodelregionen zu hören. Auftreten werden dabei unter anderem die Geschwister Schönbächler mit ihren Muotathaler Jützli und eine von Hansueli Hersche speziell zu diesem Anlass zusammen gestellte Formation, welche den Toggenburger und Appenzeller Naturjodel vertritt. Mit der Interpretin Marie-Theres von Gunten ist auch das gepflegte Textlied zu hören. Und mit Christine Lauterburg konnte eine Interpretin des zeitgenössischen Jodelns gewonnen werden, welche die Töne in ein buntes, manchmal ungewohntes Gewand packt. Die Mit-Initiantin des Jodelsymposiums, die bekannte Sängerin Nadja Räss, wird gemeinsam mit den verschiedenen Formationen auftreten. All diese Sängerinnen und Sänger sind am zweiten Tag des Symposiums als Kursleiter aktiv, so können Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Gehörte in verschiedenen Workshops gleich selber ausprobieren.
Vorverkauf nutzen
Tickets sind an den Touristen-Infos in Wildhaus und Unterwasser, im Internet unter www.klangwelt.ch/naturstimmen und via Callcenter (0900 441 441) erhältlich. Zudem können Kurzentschlossene ihre Tickets auch eine Stunde vor Konzertbeginn an der Tageskasse erwerben. Da mit einem grossen Publikumsinteresse gerechnet wird, empfehlt es sich allerdings den Vorverkauf zu benützen. Ein spezieller Pass für 240 Franken wird für das Jodelsymposium angeboten.
www.klangwelt.ch
Pressekontakt:
Klangwelt Toggenburg
Stephan K. Haller
Telefon: 0041 (0)71 988 77 77
E-Mail: stephan.haller@klangwelt.ch
Homepage: www.klangwelt.ch
Schlagwörter:Klang
Natur
Stimme
Wohlbefinden
Gesundheit
Erlebnis
Reise